03.11.2019

Lesung

L’chaim – Hoch das Leben! – Lesung in Erinnerung an jüdische Autor*innen und für eine bunte Zukunft

SchriftstellerInnen aus Herford und Melle lesen in der Villa Kunterbunt in Bünde (Kreis Herford) gegen Rassismus und für ein buntes Leben. Die Lesung ist Teil der Veranstaltungsreihe „Erinnern heißt Partei ergreifen“ anlässlich des 9. November 1938, als der nationalsozialistische Terror gegen jüdische Mitbürger*innen einen vorläufigen Höhepunkt fand. Der erste Teil der Lesung ist der Erinnerung an jüdische Autor*innen gewidmet, im zweiten Teil lesen die Schriftsteller*innen eigene Texte.

Die für ihre literarische Performance bekannte Bünder Autorin Christine Zeides stellt Selma Meerbaum vor. Selma Meerbaum (1924-1942) war eine deutschsprachige jüdische Dichterin aus Czernowitz. Nach ihrer Deportation ins Lager Michailowka starb sie dort entkräftet an Flecktyphus. Das von ihr handgeschriebene Gedichtalbum „Blütenlese“ wurde von einer Freundin nach der Deportation aufbewahrt und ist auf abenteuerlichen Wegen erhalten geblieben. Im zweiten Teil der Lesung wird Christine Zeides ihre lyrische Antwort auf die Gedichte von Selma Meerbaum vortragen.

Die mit mehreren Literaturpreisen (Literaturwettbewerb der Stiftung Lesen, Literaturwettbewerb „Mythos Fremde“ des Bonner Instituts für Migrationsforschung u.a.) ausgezeichnete Romanautorin Monika Dlugosch aus Herford wird Werke von David und Alexandre Olère vorstellen. David Olère war in Auschwitz interniert und konnte aufgrund seiner künstlerischen Begabung die dortigen Geschehnisse in Bildern darstellen, das Unfassbare, wofür sein Sohn Alexandre als Dichter Worte gefunden hat. Im zweiten Teil liest Monika Dlugosch unter dem Arbeitstitel „Wurzeln im Schweigen“ über eine zeitgenössische Begegnung mit Auschwitz.

Die Meller Autorin und im Bielefelder Künstlerinnenforum aktive Barbara Daiber widmet sich der deutsch-jüdischen Autorin Ilse Losa (1913-2006), die ihre Kindheit und Jugend in Melle verbracht hat. Vorgetragen wird ein Auszug aus Ilse Losas Buch „Die Welt in der ich lebte“. 1934 wurde einer ihrer Briefe von der Gestapo abgefangen, in dem sie Adolf Hitler als Verbrecher bezeichnet hatte. Nach einem Verhör der Gestapo floh Ilse Losa aus Deutschland. Im zweiten Leseabschnitt wird Barbara Daiber eigene Lyrik und Kurztexte präsentieren, die durch experimentellen und assoziativen Umgang mit Sprache gekennzeichnet sind.

Der Herforder Autor Ralf Burnicki wurde für seine bildhafte und zugleich gesellschaftskritische Prosadichtung von der Gesellschaft für neue Literatur (NGL Berlin) als „Erbe Orwells“ ausgelobt. Ralf Burnicki liest Gedichte der jüdischen Autorin Jenny Aloni (1917-1993) aus Paderborn. 1939 konnte Jenny Aloni mit einem Transport jüdischer Kinder und Jugendlicher nach Palästina fliehen und gilt heute als eine der bedeutendsten Autorinnen der deutschsprachigen Literatur in Israel. Im zweiten Teil der Lesung wird Ralf Burnicki Ausschnitte aus seinem geplanten Band „Lichtaspirin“ lesen, die sich auf poetische Weise gegen Herrschaft und Rassismus richten.

Die Zuhörerschaft erwartet somit ein kreatives Literaturereignis, das zum Nachdenken über die Zukunft anregt. Es geht um eine lebendige und vielfältige Gesellschaft statt Rassismus und Antisemitismus. Der Eintritt ist frei (eine Spende für das Jugendzentrum ist erwünscht).

Lesung am Sonntag, den 3. November, 16.00 Uhr (Einlass 15.30 Uhr)

Ort: Villa Kunterbunt, Kaiser-Wilhelmstr. 2 (2. Etage), 32257 Bünde.

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